Woran erkennt man, dass sich ein Konzept weiterentwickelt hat? Nun, ich kann nur von mir selbst reden. Ich spüre es. Schön wäre ja, wenn man sofort weiß, bingo, das ist es! Nur leider läuft es nicht immer so, zumindest nicht in meinem Leben. Ich hatte nur ein sehr diffuses Gefühl, dass die Dinge auf einmal nicht mehr stimmen.

Wieso empfehlen die Leser historischer Romane so oft Histokitsch?

Ganz zu Beginn war ich felsenfest überzeugt, dass ich historische Romane schreibe. Genau genommen bin ich es immer noch, ich stellte nur fest, dass sehr viele Leser mit historischen Romanen eine Underdog-Heldin verbinden, die sich durch eine Mittelalterwelt schlägt und im Idealfall am Ende den Ritter heiratet. Ich mag etliche Epochen, doch das Mittelalter gehört definitiv nicht dazu und die Underdog-Heldinnen schon gar nicht. Also hatte ich bald das Gefühl, mich näher erklären zu müssen.

Spannung steht im Zentrum, also schreibe ich wohl historische Thriller

Das war zumindest meine Überlegung. Die Abenteuerhandlung spielte für mich immer eine wesentliche Rolle, meine Vorbilder für den Marchese waren nicht umsonst Winnetou und James Bond. Okay, Marquis Posa auch, der hat aber auch diesen Abenteurer- und Heldencharakter in seiner Persönlichkeit angelegt. Nur suchte seltsamerweise nie jemand die Romane unter Abenteuerliteratur, und Mantel und Degen wird in den Kategorien auf den großen Onlineplattformen gar nicht geführt. Also wich ich auf historische Thriller aus. War ja nicht ganz verkehrt, und so nannte ich das Kind wenigstens beim Namen. Spannung und Geschichte kombiniert.

Aber schreibe ich überhaupt Thriller? Oder doch eher Suspense?

Die ersten Zweifel kamen auf, als ich „Shark Temptations“ auf den Markt brachte. Relativ früh stieß ich auf den Begriff Romantic Suspense, und sofort klingelte etwas bei mir. DAS ist es! Doch  leider ist der Begriff auf dem deutschsprachigen Markt noch kaum etabliert, was marketingtechnisch also nicht gerade ein Volltreffer ist. Ich griff daher auch hier auf die Bezeichnung Thriller zurück, und ab da fühlte ich mich wie ein Zwitterwesen.

Wann immer ich sagte, ich schreibe Thriller, spürte ich sofort, dass falsche Vorstellungen in den Köpfen meiner Gesprächspartner entstanden. Meinem Gefühl nach assoziieren sehr viele Leser Thriller mit Blutorgien, Gewalt und fast schon Horror. Während für mich die Vorzeige-Thriller-Autoren Dan Brown oder John Grisham sind, kann es den typischen Thriller-Lesern offenbar nicht abartig genug zugehen. Serienmörder und Psychopathen bevölkern die Bestsellerlisten, und schon sehr bald war mir die Bezeichnung zu reißerisch. Nur, was schreibe ich nun wirklich?

Gay Romance? Hätte ich mich doch besser erst schlau gemacht!

Ich mochte schwule Protagonisten, traute mich aber lange nicht, welche zu schreiben. Wie kann man denn nur, überhaupt als Frau? Bis ich auf Facebook über Personen und Gruppen stolperte, in denen diese Vorliebe offensichtlich auch von anderen geteilt wird.  Ich verkündete daher, dass ich Gay Novels schreibe (eine reine Romance-Autorin mit Ambitionen zum Zuckerschock war ich nie) und trennte die historischen Hetero-Romane auch durch ein Pseudonym von meinen zeitgenössischen Gay Novels.

Leider hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht und nur die erste Hälfte des Genres wahrgenommen, nämlich die Begeisterung für Männer liebende Männer, nicht jedoch die Sexlastigkeit. Ganz ehrlich? Ich kann bald keine Sexszenen mehr lesen. Ich hatte schwule Männer nie als Sexobjekt betrachtet, und meine Fantasien spielen sich in Büchern zwar gelegentlich, aber eben nicht hauptsächlich im Schlafzimmer ab. Dazu kamen die einschlägigen Cover mit halb nackten Kerlen und die entsprechenden Facebook-Posts, in denen das Testosteron schon vom Bildschirm tröpfelt. Sorry, ich hatte mich wohl in der Spielwiese geirrt.

Nur, was schreibe ich nun wirklich?

Ich stand also wiederum am Anfang. Mit zwei Marken und genauso schlau wie zuvor. Außerdem musste es doch irgendeine Klammer geben, die beide Schienen verbindet? Diese Klammer war von Anfang an da, doch ich sah sie einfach nicht, weil ich hier Geschichte, dort Gegenwart im Kopf hatte. Hier einen heterosexuellen Helden, dort schwule Charaktere. Ich suchte und suchte und drehte mich im Kreis.

Bis ich mir eine Woche Facebook-Pause gönnte und mich auch sonst ganz anderen Sachen widmete. Und auf einmal fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

Helden! Und Liebe zwischen starken Charakteren!

Als ich die „Marchese“-Reihe begonnen hatte, waren mir zwei Punkte wichtig gewesen: Die Abenteuerhandlung und dass ein gestandener Mann kein sanftes Weibchen will. Dass er sich eine Partnerin sucht, die auf Augenhöhe mit ihm agiert, ohne gleich auf der anderen Seite des Pferdes wieder herunterzufallen und Amazonenklischees zu strapazieren. Ich wollte über ein starkes Dreamteam schreiben, das sich gegenseitig ergänzt. Bei „Shark Temptations“ war es genauso. Am Anfang standen auch hier die auf ihre jeweilige Weise starken und komplexen Figuren. Auch hier wollte ich den geheimnisvollen Helden (Merahwi), der sich verliebt. Ergänzt durch ein Team mit schillernden Charakteren, mit Menschen aus Fleisch und Blut, wie wir es aus guten Serien kennen.

Die Liebe war mir in allen Romanen ebenso wichtig wie die Spannung, ich schreibe diese Szenen ausgesprochen gerne. Sie aus meinen Romanen zu streichen, würde nicht funktionieren, und mit Romantic Suspense war ich schon richtig gelegen.

Liest heute überhaupt noch jemand von Helden?

An diesem Punkt bekomme ich Angst. Ich liebe Helden, doch ist das heute überhaupt noch in? Denken wir bei Helden nicht sofort an die alten Recken aus griechischen und germanischen Sagen? Oder schlimmer noch an die Superhelden diverser Comics und Actionfilme? Sicher auch. Andere denken vielleicht lieber an selbstlose sanfte Gemüter, für sie sind die modernen Helden unscheinbare Helfer und tapfere Underdogs.

Die Licht- und Schattenseiten des Heldentums

Für mich bedeuten Heldengeschichten mehr. Ja, ich mag spannende, mitunter sogar rasante Romane. Mir geht es um charismatische Helden, um dunkle Geheimnisse, um Liebe und Gefahr. Mir geht es um die Faszination, aber ebenso um die Tragik des Heldentums. Helden sind oft unverstanden und einsam, weil sie einem Ehrenkodex folgen, den viele nicht mehr verstehen. Kein hohler, aufgestülpter Ehrbegriff, der nur dazu dient, die Männer willenlos und lenkbar zu machen oder patriarchalische Strukturen zu schützen. Sondern Ehre im Sinne von Ethos. Meine Helden kämpfen mit äußeren Feinden und inneren Dämonen. Und nicht zuletzt handeln meine Geschichten von der schwierigen Herausforderung, Helden zu lieben und mit ihnen eine tragfähige Beziehung einzugehen.

Was zeichnet für mich Helden aus?

In erster Linie sind sie tatkräftige und entschlossene Menschen, die ihre Aufgabe annehmen und über sich hinauswachsen. Auch wenn sie sich gelegentlich am Rande der Legalität oder sogar im Bereich der Kriminalität bewegen, unterscheiden sie sich von Schurken. Sie sind starke Charaktere und bekennen sich zu ihrer Größe. Sie sind sich ihrer Ausnahmestellung bewusst, buhlen aber nicht um Bewunderung. Sie wissen einfach, wer und was sie sind. Und das Schönste an ihnen ist für mich ihre Opferbereitschaft. Sie sind keine narzissitischen Egomanen, sondern sie stellen ihre Talente in den Dienst ihrer Mission und ihrer Schützlinge. Das eröffnet fantastischen Raum für innere Konflikte, und ihre schärfsten Gegner sind oft sie selbst.

Und auf einmal fügt sich zusammen, was zusammen gehört

Ich kann noch nicht sagen, ob ich einmal die Autorenmarken Barbara Drucker und B.D. Winter verschmelzen werde. Momentan fühlt es sich besser an, sie noch getrennt zu führen. Doch wie auch auf der Website werde ich beiden Marken einen gemeinsamen Social-Media-Auftritt spendieren. Nicht überstürzt, sondern Schritt für Schritt. Bis es für uns alle stimmig ist, die beiden Seiten zu fusionieren. Geht ihr diesen Weg mit mir?

Update: Mittlerweile habe ich diese Fusion auf Facebook über die Bühne gebracht und es funktioniert richtig gut. Die wahren Fans sind geblieben, und es fühlt sich ausgesprochen stimmig an. Wenn du Lust hast, kannst du dich selbst davon überzeugen – hier geht es zu meiner Facebook-Seite.