Eigenartig, nach meinen Lieblingsbüchern werde ich ziemlich oft gefragt, aber den Begriff Herzensbuch hat bisher noch niemand verwendet. Gibt es da überhaupt einen Unterschied? Und geht es dabei um meine eigenen Bücher, oder soll ich die Sache doch eher als Leserin angehen?

Was ist ein Herzensbuch überhaupt?

Ein Herzensbuch ist für mich das, was mich jederzeit beflügelt, das ich keinesfalls missen möchte und das mir auch bei der hundertsten Lektüre Freude, Kraft und ganz starke Gefühle beschert. Angenommen, die Welt ginge unter, ich könnte fliehen und nur ein einziges Buch retten? Die Entscheidung fiele mir extrem schwer, denn ich hätte in der einen Hand Schillers „Don Karlos“ und in der anderen „Das Gift der Schlange“. Darf ich mich darauf verlassen, dass andere den Klassiker schon mitnehmen werden?

Die eigenen Bücher sind wie die eigenen Kinder

Auch wenn ich jemanden noch so gerne habe, mein Kind würde ich nicht im Stich lassen. Genauso ist es mit dem eigenen Buch, zu ihm hat man einen ganz besonderen Bezug. „Das Gift der Schlange“ ist nicht nur mein erster publizierter Roman, er enthält auch sehr viele Motive, die schon jahrelang in meinem Kopf herumgeisterten und unbedingt rauswollten. Stilistisch habe ich mich natürlich weiterentwickelt und ich würde heute manches darin ein bisschen anders formulieren, aber mit der Geschichte selbst, mit den Figuren und der Handlung bin ich immer noch absolut zufrieden. Ich erinnere mich noch gut ans fast atemlose Schreiben, wie ich jede freie Sekunde nur dem Marchese widmen wollte und von der Geschichte regelrecht besessen war, sie weitertreiben wollte und weiter. Diese Kraft merkt man dem Roman auch heute noch an, und für dieses Buch empfinde ich Liebe und Stolz zugleich.

Jede ungeschriebene, große Idee ist ein Herzensbuch

Eines meiner Vorbilder, Elizabeth George, sagt in „Wort für Wort“ sinngemäß: Bist du Autor oder Schriftsteller? Autoren wollen ihren Namen auf einem fertigen Buch sehen, Schriftsteller treibt das Schreiben selbst an. Sie müssen schreiben. Obwohl ich stolz auf meine Bücher bin und mich durchaus im Autorendasein sonne, bin ich im Herzen Schriftstellerin. Ich muss schreiben, das ist mein Drang, meine Leidenschaft und meine Berufung.

In diesem Sinne sind die noch ungeschriebenen Geschichten ebenso Herzensbücher, die mich am Leben und Schreiben halten. Nicht unbedingt jedes Plotbunny, aber einige große Ideen gibt es da schon, die ich auf jeden Fall noch umsetzen möchte. Allen voran die vollständige Marchese-Reihe, der Fliegende Holländer (den erwähne ich gerade das erste Mal offiziell, oder?) und mein unkonventioneller Schutzengel. Und „Shark Temptations“ lässt mich auch nicht los, da ist noch so einiges zu erzählen.

Wie sieht es mit dir aus? Hast du Herzensbücher? Und was muss ein Buch haben, damit es diesen Ehrentitel verdienst?

Willst du mehr über das Buch erfahren, das ich retten würde?

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Bild: © Barbara Drucker