Marchese, wie verbrachten Sie den Sommer?

In diesem Jahrhundertsommer stellt sich natürlich die Frage, wie Romanfiguren die letzten beiden Monate verbrachten. Ich bat den Marchese zum Interview:

Marchese, waren Sie diesen Sommer im Einsatz, oder machten Sie Urlaub?

Im Juli erfüllte ich eine Mission, die mir wenig Freude bereitete. [Anm. BD: Der Schwur der Schlange] Für Urlaub blieb bis auf einige wenige Stunden keine Zeit.

Können Sie uns etwas über diese Auszeit erzählen?

Intime Momente behalte ich lieber für mich. Nur so viel: Ich verbrachte sie an und in einem Fluss und kostete Gefühle aus, die ich mir nicht oft leiste. Manche Leser meinen, ich wäre ganz anders als sonst gewesen. So viel ich weiß, zählt diese Szene für die meisten zu ihren Lieblingsstellen.

Sie sagen an und in einem Fluss. Können Sie schwimmen? Das war ja zu ihrer Zeit nicht selbstverständlich.

Jeder Schlangenkrieger kann schwimmen. Und im Gegensatz zu Ihrer Zeit, schwimmen wir zu meiner nicht halb nackt, sondern bekleidet. Wir müssen in der Lage sein, uns auch in voller Bekleidung über Wasser zu halten.

Wie kühlen Sie sich im Sommer ab?

Zum einen sind die Sommer zwar heiß, zum anderen aber nicht ganz so brütend wie in Ihrer Zeit. Ich presche zu Pferd über die Fluren, ich schwimme in einem Fluss, und in den Räumen, die ich bewohne, halte ich die Fensterläden tagsüber geschlossen.

Sind Sie im Sommer weniger formell gekleidet?

Auf keinen Fall. Bei Hof wäre das ein schrecklicher Fauxpas, den sich niemand leistet, und auch in der Stadt kleidet man sich anständig. Die Unsitte Ihrer Zeit, sich bei steigenden Temperaturen zu entblößen, teilen noch nicht einmal die Taglöhner. Bürger und Adlige wären selbst in einem Hemd nackt. Das Deshabillé oder auch Negligé ist zwar nicht so aufwändig wie Parure, doch noch lange kein Grund, sich gehen zu lassen.

Was sind typische Vergnügungen im Sommer?

Das Picknick. Auch Schäferspiele sind im Sommer in Mode, wobei wohl kein Hirte seine Tiere in den Kleidern hüten würde, die man dabei trägt. Bei den Damen gilt schon ein Strohhut als arkadisch.

Mögen Sie den Sommer, beziehungsweise welche ist Ihre liebste Jahreszeit?

Ich fühle mich im Sommer sehr wohl. Die Wiesen sind grün, und die Bäume tragen die köstlichsten Früchte. Am wenigsten kann ich den Winter leiden.

Wenn Sie es sich aussuchen können, wo verbringen Sie den Sommer am liebsten?

Auf meinem Landsitz in der Republik Venedig. Wenn ich auf Reisen bin, ziehe ich im Sommer ebenfalls das Land vor und wohne gerne außerhalb einer Stadt. Die Hitze zerkocht den Unrat in den Städten nicht eben zu Wohlgerüchen.

Sind Sie lieber in den Bergen oder am Meer?

Am Meer. Ich liebe den Blick in die Ferne.

Sie sagten, dass der Juli im Zeichen Ihres Auftrags stand. Wie steht es mit dem August? Konnten Sie da Urlaub nehmen?

Ja und nein. Ich hatte keinen Auftrag zu erfüllen, doch musste ich den Ausgang der Ratssitzung abwarten.

Wie ist sie verlaufen?

Das werde ich Ihnen nicht vor Erscheinen des nächsten Bandes verraten.

Das heißt, es wird einen geben?

Als ob Sie das nicht ebenso gut wüssten wie ich 😉

Würden Sie uns einen Ausblick darauf geben?

Nur so viel: Was in der Ratssitzung geschieht, hat einen wesentlichen Einfluss auf den weiteren Verlauf der Handlung. Und ich werde nicht zur Ruhe kommen.

Als ob ausgerechnet Sie das wollten 🙂 Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Spätsommer, und laden Sie sicherheitshalber Ihre Batterien auf.

Was immer das sein mag. Auch Ihnen und vor allem all Ihren Lesern wünsche ich noch prächtige Tage .

2018-08-28T20:05:16+00:00