Lesetipp: Nur Blut und Asche (Emilia Frey)

Heute habe ich eine Empfehlung für Freunde historischer Stoffe. „Blut und Asche“ von Emilia Frey spielt während des Trojanischen Krieges und verbindet gleich mehreres, was ich mag: Historische Romane, Gay Novels und die Antike.

Eine homoerotische Geschichte im Trojanischen Krieg – wer denkt da nicht in erster Linie an Achilles und Patroklos? Emilia Frey stellt ein anderes Liebespaar ins Zentrum ihres Romans, den einfachen Soldaten Lykos und seinen Heerführer Periander. Diese Liebe ist gesellschaftlich brisant, seit Lykos der Pubertät entwachsen ist, und durch sie werden die Liebenden erpressbar. Dass Knabenliebe gefördert, gleichgeschlechtliche Liebe unter Erwachsenen hingegen verpönt war, ist für Athen belegt. Ob das im übrigen Griechenland und gerade in der vorklassischen Zeit ebenso galt, ist umstritten. Dennoch macht dieser Konflikt nicht nur die Charaktere angreifbar, sondern bildet auch den Motor der Handlung.

Der Roman wird durch den Ich-Erzähler Lykos vermittelt. Wir erfahren die Handlung durch ihn, seine Liebe zu Periander, seine Sorge um Perianders Ehre. Zahlreiche Missverständnisse führen zu neuen Verwicklungen, und genau diese Missverständnisse trüben auch etwas meinen Lesegenuss. Lykos hätte nur ein einziges Mal den Mund aufmachen und sich seinem Geliebten anvertrauen müssen! Ich mag Drama, aber bitte kein künstliches oder unglaubwürdig erzwungenes. Die  Verwechslung von Agamemnon und Menelaos stufe ich hingegen als Flüchtigkeitsfehler ein. Stellenweise ist das Denken sehr modern, aber nie so, dass es mich ernsthaft aus dem antiken Kosmos katapultierte.

Das Außergewöhnliche dieses Romans ist die Sprache, ich habe noch nie eine Gay Novel auf diesem sprachlichen Niveau gelesen. Wunderschöne, kreative Formulierungen, von diesem Stil kann man sich einhüllen lassen! Leider stützt die Sprache die Handlung nicht, sondern wird zum Selbstzweck, und die Erzählweise rückt das Geschehen auf merkwürdige Distanz. Den dramatischen und existenzbedrohenden Ereignissen konnte ich nur als kühler Zuschauer folgen und zu keinem Zeitpunkt atemlos eintauchen. Schade.

Insgesamt ist „Blut und Asche“ ein höchst interessantes Projekt. Die Autorin versetzt sich sehr gut in die Charaktere und in die Zeit, betrachtet die Schlacht um Troja gesellschaftlich und nicht mythologisch und hat anständig recherchiert. Für den fünften Stern hätte ich mehr emotionale Beteiligung gebraucht, doch für historisch interessierte und sprachlich anspruchsvolle Leser ist dieses Buch eine absolute Empfehlung.

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2018-05-17T23:01:03+00:00