Advent bei Merahwi und Julian

Merahwi hat mich in die Villa eingeladen, und da konnte ich einfach nicht ablehnen. Wie oft hat man schon die Gelegenheit, mit seinen Figuren in entspannter Atmosphäre zusammenzusitzen und sich mit ihnen über Weihnachten zu unterhalten?

Im Anmarsch

Ich habe meinen inneren Schweinehund überwunden, und gehe zu Fuß durch den Türkenschanzpark. Mit dem Bus wäre es zwar bequemer, aber Kekse und Punsch sind ja nicht unbedingt förderlich für die Figur, und ich habe eh viel zu viel auf den Rippen. Im Gegensatz zu den beiden Herren, die mich erwarten, und immerhin liegt die Villa in Gehdistanz zu meiner Wohnung. In großzügiger Gehdistanz, es ist eher ein Sportprogramm. Also schnaufe ich durch denselben Park, in dem Merahwi sich durch Laufen in Form hält und Julian ihm an manchen Tagen dabei Gesellschaft leistet. Schlurfe am Spielplatz für die Teenager vorbei, an den Anlagen für die Skateboarder und am Teich. Oh Mist, ich hätte doch das untere Tor nehmen sollen, denn rechts, vis-à-vis vom Teich erkenne ich das gelbe Haus aus der Gründerzeit mit den weißen Fensterrahmen. Also lege ich noch ein paar überflüssige Meter zurück und nähere mich Merahwis Nobelbleibe eben von oben. In der Magnolie vor dem Haus leuchten Lichterketten, auch von Dach und Simsen regnen die winzigen Lämpchen herab. Schön dezent, kein bunter Kitsch, Kitsch wäre auch das Letzte, was zu meinem Gastgeber passte.

Mit einem Traumpaar in Fort Knox

Ich klingle und frage mich, wie ich über die Kameras rüberkomme. Das Haus ist wirklich gesichert wie Fort Knox. Das Gartentor geht auf, und kaum betrete ich das Grundstück, löse ich den Bewegungsmelder aus, und gleißendes Licht lässt die Weihnachtsdeko arm aussehen. Merahwi empfängt mich, und ich entwickle sofort Neidgefühle auf Julian. Warum müssen eigentlich die tollsten Männer immer auf Männer stehen?

Meine Eifersucht verfliegt aber schnell, sobald wir gemütlich auf der riesigen Sofalandschaft sitzen und mir Julian einen Latte Macchiato serviert. Mit Tannenbaum im Milchschaum, in Merahwis Cappuccino ist ein Herz, und ich weiß ja, dass die Herzen exklusiv für ihn reserviert sind. Julian trinkt Espresso, schwarz und ohne Zucker, und er wartet keine fünf Minuten, bis er sich vom Keksteller bedient.

Plauderei bei köstlichen Keksen – aber wer interviewt da eigentlich wen?

Julian: Greif zu, wir haben noch Berge!

Ich: Mmmm, in Weihnachtskeksen kann ich mich eingraben!

Julian: Von wem ich das wohl habe. 🙂

Ich: Die sind köstlich!

Julian: Alle zusammengeschnorrt. Von meiner Mama und von Sandros Mutter. Obwohl du sie eigentlich gar nicht verdienst. 😉

Ich (vollkommen perplex): Wieso verdiene ich sie nicht?

Julian: Weil du uns immer noch im Hochsommer feststecken lässt. Dabei würde ich so gerne mit Sandro Weihnachten feiern.

Merahwi (legt ihm den Arm um die Schultern und liebkost ihn mit dem Daumen. Was er sicher nur macht, weil ich als seine Autorin eingeweiht bin.): Wir hätten wirklich gerne eine Weihnachtsgeschichte.

Ich: Das heißt, ihr seid entschlossen, noch so lange zusammenzubleiben?

Merahwi: Selbstverständlich! Was ist das für eine Frage?

Julian: Bei deinem Tempo dauert das ja noch ewig. Willst du jetzt wirklich in Monatsschritten vorgehen? Jeder Band ein Monat? Da wären wir ja bei Band 7 mit unserer Weihnachtsgeschichte!

Ich: Sieben ist doch eine schöne Zahl.

Julian: Bist du verrückt? Noch siebenmal am Rande des Herzinfarkts? Sandro steckt das ja locker weg, aber meine Nerven flattern jedes Mal wie Taschentücher in einem Tornado.

Ich: Jetzt übertreibst du aber.

Julian: Dann steck du doch mal in meiner Haut!

Merahwi: Es stimmt, Julian geht es dabei gar nicht gut. Und was du ihm in den ersten beiden Romanen zugemutet hast, war nicht gerade freundlich.

Ich: Wisst ihr, der Job von Autoren ist nicht, freundlich zu unseren Hauptfiguren zu sein, sondern zu unseren Lesern.

Julian: Auf unsere Kosten?

Ich: Ich fürchte, ja. Sieh mal, Leser wollen es spannend, also muss ich ihnen Spannung geben.

Julian: Kannst du nicht einfach Sandro den spannenden Teil überlassen? Der braucht seinen täglichen Adrenalinkick.

Ich: Die Leser wollen aber auch dich. Deine Heiterkeit, deinen flapsigen Charme.

Merahwi: Wann wirst du es mir endlich glauben, Gattino?

Julian: Apropos, wie bist du ausgerechnet auf diesen Spitznamen gekommen?

Ich: Auf den bin nicht ich gekommen, sondern dein Lover. Der hat sich einfach so ergeben.

Julian (kräuselt skeptisch die Augenbrauen): Einfach ergeben? Na ich weiß nicht.

Ich: Was kann denn ich dafür, dass du deinen Kopf so in seine Hand geschmiegt hast wie ein kleiner Kater?

Julian: Das hat man davon, wenn man beim Sex beobachtet wird.

Merahwi: Vermutlich auch im Dienste der Leser.

Ich (ein wenig verlegen): Na schon irgendwie. Ist es euch unangenehm?

Merahwi: Wäre es dir denn recht? Wie würdest du dich dabei fühlen?

Ich bin mittlerweile knallrot und versuche, Zeit zu schinden, indem ich ein Vanillekipferl esse.

Julian (boxt Merahwi leicht in die Seite): Aber immerhin kommen wir so zu Sex 🙂 Und das ist mir sehr recht.

Merahwi: Das hat man von einem jungen Partner. Die haben unerschöpfliche Energie.

Julian: Na ja, aber wir haben ja nicht dauernd Sex.

Merahwi: Zum Glück nicht. Zumindest nicht unter Beobachtung. Sonst kämen wir in der Handlung ja gar nicht voran.

Julian: Und die Handlung ist wichtig. An sich wäre das ja genau meine Kragenweite, wenn ich es so aus sicherer Distanz lesen könnte. Habe ich dir schon mal gesagt, dass ich Spionagethriller liebe?

Merahwi: Ich denke, sie weiß es, Gattino.

Ich: Noch etwas, das du von mir hast 😉

Julian: Und was hat Sandro von dir?

Ich: Hm, gute Frage. Seine Liebe zur Kunst. (Ich betrachte zum ungefähr zwanzigsten Mal ehrfürchtig den Teil der Kunstsammlung, den er im Wohnzimmer aufgehängt hat.) Und seinen Hang zu eleganter Kleidung.

Julian: Wofür ich dir übrigens sehr verbunden bin. Ich würde ungern in Hoodies und Schlabbershirts herumlaufen.

Merahwi: Was wir immer schon wissen wollten: Wieso heißt die Reihe eigentlich „Shark Temptations“?

Ich: Das wisst ihr wirklich nicht? Weil ich dich ständig in Versuchung führe.

Julian: Durch mich?

Ich: Auch. Aber noch viel mehr durch eure Fälle.

Julian (zu Merahwi): Hast du mir schon wieder etwas verschwiegen?

Merahwi: Es ist besser, wenn du nicht alles weißt.

Julian (zu mir): Siehst du, da haben wir es schon wieder, so geht das die ganze Zeit! Musstest du ihn unbedingt zu so einem Geheimniskrämer machen?

Ich: Ja, musste ich.

Julian: Hat er das auch von dir?

Ich: Nein, ich bin da deutlich auf deiner Seite.

Merahwi: Privat.

Ich: Natürlich privat. Aber als Autorin …

Merahwi: … stehst du im Dienste der Leser. Ich darf mich also auf weitere Versuchungen gefasst machen?

Ich: Na schon.

Julian: Auf mindestens sieben.

Merahwi: Auf sieben?

Julian: Ich will einen Weihnachtsband. Und das ist nicht verhandelbar.

Julian kann ja Wünsche anmelden, aber bevor Merahwi zu verhandeln anfängt, verabschiede ich mich lieber, denn bei ihm ziehe ich garantiert den Kürzeren. Was hättest du denn gerne? Step by step die langsame Entwicklung oder größere Sprünge?

 

Diese Szene entstand im Zuge der Facebook-Aktion 24 Days of Queer Adventhologie. Am 7.12.2018 durfte ich einen ganzen Tag lang die Teilnehmer begleiten. Weitere Beiträge findest du hier.

2018-12-05T19:34:06+00:00